Der letzte Monat war fantastisch. Es ist verrückt wie schnell die Zeit vergeht. Wir starten unsere Tour tatsächlich im April! Bedeutet: Wir haben noch gut einen Monat um unser Repertoire fertigzustellen und daran zu feilen.

Was mich sehr inspiriert und wozu unsere Lehrer uns ermutigen, ist uns (Tanz) Performances anzugucken um kreativer zu werden und Anregung und Motivation zu finden. Mit den zahlreichen Theatern und Eintrittsfreien Museen ist London sehr spannend und einladend dafür.

Im Januar hatte ich das Glück Stomp! zu sehen. Ich bin immer noch ein wenig sprachlos wenn ich an die Performance zurückdenke. Versteckt in einem kleinen Theater außerhalb vom West End haben sie uns in ihre energiegeladene Weld der Rhythmen entführt und bewiesen, das man kein High Tech Schlagzeug braucht um faszinierende und hypnotisierende Beats und Klänge zu erzeugen. Besen, Füße, Hände und Streichholzschachteln reichen. Nicht zu vergessen das riesige Metallgestell, das – seien wir ehrlich – im Grunde wie ein Traum von einem Spielplatz aussah!

Wenn ich die Chance dazu habe werde ich die definitiv nochmal sehen!

Im Februar hatte ich die Möglichkeit ein echtes Kultmusical zu sehen. Nein, nicht die Rocky Horror Picture Show (die will ich trotzdem noch sehen!). Ich rede von Rent. Basierend auf Puccinis La Boheme – Das ist richtig, basierend auf einer Oper! – ist Rent kein Happy-Clappy-Musical sondern beschäftigt sich mit Themen wie HIV, Drogenabhängigkeit und Tod. Versteht mich nicht falsch, ich liebe auch meine Jazz-Hands-Alles-Ist-Toll-Shows, Aber Musicals wie Rent oder Blutsbrüder haben eine andere tiefe als – ein anderes meiner Lieblingsmusicals – Mamma Mia!. Meine wunderbare Schwester hat es mir ermöglicht eine der Shows aus der Tour zum 20. Jubiläum in Bromley zu sehen. Du weißt ein Musical ist Kult, wenn du es schafft ein Westeuropäisches Publikum dazu zu bringen mit Maureen zu muhen. Oder Teile des Publikums nach zwei dritteln der Show laut schluchzend Tränen vergießen. Ich nehme an, die Schauspieler haben die Performance fast so sehr genossen wie wir, ihrem breiten Grinsen nach zu urteilen, als sie ihre mehr als verdiente Standing Ovation bekommen haben.

Bevor ich weiter schreibe möchte ich eins mit euch teilen: Ich habe etwas grundlegendes gelernt, während ich die verschiedenen Straßenkünstler, besonders in Covent Garden, gesehen habe. Wenn du dir eine gute Show ansiehst, egal ob du dafür zahlst oder auf der Straße, dann sei nicht die verklemmte arrogante Person, die am Ende dreimal klatscht und weiß, dass sie viel Geld für den Künstler bezahlt hat um bespaßt zu werden, oder gerade etwas Schönes völlig kostenlos erleben durfte. Ernsthaft, Geld bringt ihnen was zu Essen und hilft die Rechnungen zu zahlen. Aber die Ermutigung durch das Publikum, die Reaktionen und der Applaus nähren die Motivation und Leidenschaft der Künstler. Ich würde fast so weit gehen und sagen, dass der Applaus fast so wichtig (wenn nicht sogar wichtiger) ist, wie die Bezahlung in Scheinen und Münzen.

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Street Art in Shoreditch

Das wunderbare an London ist, dass du nicht unendlich viel ausgegeben musst, um Kunst zu sehen. Wie ich schon häufiger bemerkt habe, es gibt einige fantastische Straßenkünstler und Musiker und viele Museen die man kostenlos besuchen kann. Oder, wenn du urbane Kunst mag, solltest du dich auf den Weg nach Shoreditch machen. Klar, es gibt mehr  Street Art in London als in Shoreditch, aber Shoreditch ist ziemlich bekannt dafür. Man findet komplett bemalte Häuser neben kleinen Postern oder Stickern und großen Graffitis. Ich hätte den ganzen Tag dort verbringen können und das ist definitiv nicht das letzte Mal, dass ich Shoreditchs Straßen erkundet habe.

Egal ob du dich für urbane Kunst interessierst oder nicht, ich habe einen Rat für jegliche Person die London besucht oder hier lebt: Genieß die Stadt indem du dich verläufst! Nachdem ich jetzt seit fast fünf Monaten in London lebe kann ich dir sagen wie schnell man sich daran gewöhnt Kaffe und Sandwich im Gehen zu essen, wie schnell man sich über Touristen ärgert, die die Tube mit ihren großen Rucksäcken versperren, oder noch schlimmer, Die Rolltreppen versperren, weil sie das Konzept von rechts stehen – links gehen nicht verstehen.

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Street Art in Shoreditch

Als Tourist wirst du vermutlich mit einer Sightseeing-Liste anreisen, die Buckingham Palace, Big Ben, Houses of Parliament, Westminster Abby und London Eye enthält. Natürlich ist nichts dagegen einzuwenden diese Orte zu besuchen! Aber wenn du dir selber die Zeit erlaubst dich zu verlaufen, nicht in den nächsten Bus oder Tube steigen sondern durch London zu GEHEN, wirst du überrascht sein, von dem was du entdeckst.

Letzte Woche, als Viktoria und ich nach Shoreditch gegangen sind, haben wir uns an London Bridge getroffen und beschlossen nach Shoreditch zu gehen. Andernfalls hätten wir den berühmten Spitalfields Market verpasst. Oder Borough Market! Und mit Sicherheit hätten wir nich beschlossen den Thames Walk zu nehmen, einen Kaffee bei Costas am Tower zu trinken, die Tower Bridge zu überqueren und von der Tower Bridge bis nach Waterloo station an der Themse entlang zu gehen.

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Skate Park an der Themse

Wieviele von euch wussten, dass es direkt an der Themse, nicht weit vom London Eye entfernt, einen Skate Park gibt? Wie viele von euch haben den Klängen der Straßenkünstler gelauscht während sie die beleuchteten Bäume bewundert haben? Und um ganz ehrlich zu sein, von hier hat man einen wunderbaren Blick auf London Eye und Big Ben, ohne vermeiden zu müssen  in großen Touristengruppen stecken zu bleiben und sich zu wundern wie viele Big Ben Selfies man wohl Photobomben kann… 😉

Ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht nur auf London zutrifft, aber hier hat mich die Erkenntnis getroffen. Also auf die bestmögliche Art: Verlauf dich! 😉

Alles Liebe,

Linn X